Gerade erst eröffnet und schon 100 Jahre alt |
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![]() Das "Apollo" im Bauzustand, 1899 ![]() Der Saal mit "Akrobatik-Gestell", um 1900 |
Anfang des 20. Jahrhunderts schafften die neuen Arbeits- und Lebensformen neue Bedürfnisse, man wollte die knapp bemessene Freizeit möglichst interessant gestalten. Die Strömungen der Industrie und des Varietés aus England ließen auch bald in Deutschland erste feste Bauten zum Zwecke von Varieté-Darbietungen entstehen. In Düsseldorf existierten gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Anzahl kleiner "Singspielhallen" und ein "minderwertiges Varietétheater", die Bockhalle an der Poststraße. Es war nur eine Frage der Zeit, dass es einen für Düsseldorf angemessenen Vergnügungsbau geben sollte. Auf Anregung des späteren Oberbürgermeisters Wilhelm Marx startete der ehemalige Druckereibesitzer und Kommunalpolitiker Carl Kraus zusammen mit dem Buchhalter Ludwig Niederleitner den Versuch, ein Varieté zu errichten. Ein geeigneter Bauplatz entstand auf dem Gelände der ehemaligen Bahnhöfe der "Cölln- Mindener" und "Bergisch-Märkischen" - Eisenbahnen am heutigen Graf- Adolf-Platz. Durch Geschick und Wagemut schaffte Kraus es, das APOLLO-Projekt durch Einrichtung einer APOLLO-Aktiengesellschaft am 4. Januar 1898 auf sichere Füße zu stellen. Schon am 25. Juli des selben Jahres erfolgte der erste Spatenstich für dieses ehrgeizige Projekt. Nicht nur für Theaterzwecke, sondern auch für Zirkusvorstellungen, Konzerte, öffentliche Veranstaltungen, Bälle und Ausstellungen sollte das Apollo dienen, denn damals war man sich nicht sicher, ob man mit Varieté-Darbietungen alleine auskommen könnte, um die gesteigerten Bedürfnisse an Vergnügungen und Unterhaltung zu befriedigen. Die vielfältigen Ansprüche und deren Verwirklichung machten das Düsseldorfer APOLLO zum größten Vielzweck-Gebäude in Europa. |
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![]() Das "Apollo" in den Anfangsjahren | |||
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Die APOLLO-Theater AG beauftragte den Star-Architekten Hermann vom Endt mit der Ausarbeitung der Baupläne und der Leitung der Bauausführung. Das Baugrundstück hatte eine Größe von 4.o51 qm, wovon 2.850 qm bebaut werden sollten. Eine 730 qm große Hoffläche sollte unterkellert werden mit Kesselanlage, Stallungen und Requisitenräumen. Es sollte ein dreigeschossiges Gebäude entstehen, das einen riesigen, hohen achteckigen Zuschauerraum mit einer Breite von 37,5 Metern hatte. Die Bühne war 20 Meter breit und 19 Meter tief. Auf jeder Etage luden zwei Restaurationsräume zu Gaumenfreuden aller Art ein. Große verglaste Fenster gaben während der Speisenfolge einen Blick auf das Bühnengeschehen frei. Für das Parkett, den ersten und den zweiten Rang standen ca. 2.200 Sitzplätze zur Verfügung, zusammen mit den Stühlen in den Restaurants waren es insgesamt 2.800 mögliche Zuschauerplätze. |
![]() Herrmann vom Endt, der Architekt des Apollo |
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Das war noch nicht alles an architektonischen Finessen: Über Nacht konnte der Zuschauerraum in eine Zirkusmanege umgebaut werden, mit Umritt im Parkett und Aufsitzraum im Bühnenbereich. Diese Manege war zudem mit einem betonierten Wasserbassin ausgestattet, z. B. für Seelöwen-Nummern oder auch Eislauf-Darbietungen. Die Stallungen konnten bis zu 120 Pferde fassen. Auf dem Innenhof wurden manchmal Löwen oder Tiger untergebracht, die dann gerne von den Nachbarskindern über die Mauer hinweg bestaunt wurden. |
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![]() Carl Kraus |
Doch die Vergnügungsbedürfnisse der rasch wachsenden Bevölkerung ließen sich nicht mehr nur durch Theater oder Konzerte befriedigen. Es gab neue Unterhaltungs-Attraktionen wie Panoptikum, Getränke-und Speiseautomaten, Lachkabinette mit Zerrspiegel, eine Rutschbahn zu einem Spiegel-Irrgarten, Mutoskope (Filmautomaten), Musikwerke, ein Kaiser-Panorama (Stereobilder/3D-Show), Flammenfontänen und vieles mehr. Carl Kraus und Hermann vom Endt wollten diesen Ansprüchen gerecht werden und fügten daher dem APOLLO-Bau einen Komplex an, der zusammen mit dem Hotel "Artushof" alle Vergnügen unter einem Dach vereinte. Hinzu kam noch ein kleiner Saal für wissenschaftliche Vorträge und ein Rundbau mit "Bildern ohne Rahmen", das sogennante "Panorama". Hier gab es bei Speisen und Getränken Rundbilder, die alle zwei Wochen wechselten. Dachgärten luden zu Verdauungsspaziergängen ein. Ein kleiner Vergnügungspark lockte Groß und Klein aus dem Umland in den Gebäudekomplex an die Königsallee und der Aders-/ Jahn- und Luisenstraße. |
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Am 16. Dezember 1899 hob sich im Apollo der Bühnenvorhang zur Eröffnungsgala. Jacques Glück, der auch schon künstlerischer Direktor im Berliner Apollo war, stellte ein großes Programm zusammen. Mit diesem für uns kaum vorstellbaren Potpourri - es reichte vom Chor aus "Orpheus aus der Unterwelt" über akrobatische Kunstfahrer, Zauberer, Humoristen bis zu sensationellen "Lebenden Photographien" - der Film hält Einzug auch in Düsseldorf - begann die Geschichte des APOLLOs. Das Eröffnungsprogramm zeigt deutlich, wie bunt und abendfüllend die Programme bis zum ersten Weltkrieg bestückt waren. Zusätzliche Höhepunkte bildeten die Goethe-Festspiele (1906), Gastspiele der Tragödin Sarah Bernhardt (1905/ 1908), zahlreiche "selbstverfasste Original-Repertoires" von Otto Reutter, (1900/1912/1914) oder das Max-Reinhardt-Ensemble mit seinen großen Massenszenen (1911). |
![]() Jaques Glueck |
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![]() Eston, Express-Magic |
Durch die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des APOLLO-Hauses und seine starke Anziehungskraft für Familien galt es als Anerkennung und Ehre für die Künstler, im Apollo aufgetreten zu sein. Die französische Sängerin Yvette Guilbert wurde 1901 im APOLLO bejubelt, internationale Akrobatik-Truppen, Jongleure und Tierdresseure reichten sich die Türklinke der Garderobe. Ching-Ling-Foo, der original chinesische Zauberer mit seiner Truppe, zeigte 1905 einen 2-köpfigen Knaben und eine kleinfüßige Chinesin. Richard Sawade, der Meister der Tiger, und die "weiße Dame" Therese Renz auf dem Pferd präsentierten weitere beliebte Tiernummern. Das Apollo erlebte im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts eine erste Blüte. |
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Der 1. Weltkrieg, die Rheinlandbesetzung, ein verstärktes Interesse an Sportveranstaltungen und das aufkommende Kino (Kinematograph) bescherten dem APOLLO weniger Zulauf als in den Jahren zuvor. Zwischen 1921 und 1925 wurde das Apollo an die städtischen Bühnen verpachtet. Klassiker wie Tosca, Dantons Tod oder Schneider-Wibbel-Aufführungen wurden gespielt. Die Aufführungen fanden teilweise vor Besatzungstruppen statt, da sie ein Kontingent von 110 Plätzen zur Verfügung gestellt bekamen. 1923 fielen viele Vorstellungen wegen Unruhen und Plünderungen aus. Im Jahre 1924 starb APOLLO-Gründer Carl Kraus in Luzern. |
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![]() Das "Apollo" in den 30er Jahren | |||
![]() Lizzi Waldmüller |
Nach Abzug der französischen Truppen (1925) wurde das APOLLO an Robert Ackermann verpachtet. Dieser feierte mit "der Zehnten Muse Wiederkehr" ein großes Comeback des Varietés im APOLLO und erschloß somit eine kurzzeitige Goldgrube für sich. "Wien gib acht", eine Revue für Menschen ab 18 Jahren, läutete eine neue Programm-Struktur ein. Varieté, Operetten und (Groß-)Revuen wechselten sich ständig ab. APOLLO war das Theater für die Zeit der "freizügigen Shows": Jetzt tauchten vermehrt auch heute noch bekannte Namen wie Tiller-Girls (1925), Rastelli (1928/ 1930/1931), Asta Nielsen, Carl Bernhard (1904-29), der große Clown Grock und die Fratellinis auf. 1926 wurde "die schrecklichste Attraktion, welche bis jetzt mit einem Auto ausgeführt wurde" gezeigt: Die Gebrüder Desprez machten einen zweifachen Salto mit einem Auto über den Köpfen des speisenden Publikums ohne Netz!! 1929, im Jubiläumsjahr zum 30-jährigen Bestehen, gab es noch eine große Revue "So gefällt mir die Welt". |
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![]() Revue "So gefällt mir die Welt", 20er Jahre | |||
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Auch wenn "Theaterfahrscheine" eine verbilligte Rückfahrt ermöglichten und der Kartenvorverkauf sich in die Umgebung ausgeweitet hatte, blieben vielen großen und kleinen Häusern immer mehr Zuschauer weg. So auch dem APOLLO. Die Menschen strömten vermehrt in die Kinosäle. Die Wirtschaftslage des Hauses zwang zu einem einschneidenden Schritt: Das APOLLO wurde 1930 dem Geschäftsbetrieb der UFA Berlin übergeben. |
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